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„Ver-hext“ – Eine Welt voll Magie und Zauberei

 

"Ver-hext" - Eine Welt voll Magie und Zauberei

Ausstellung im Museum Innviertler Volkskundehaus

24. März bis 16. September


In allen Kulturkreisen und Zeiten gab es Kundige – also quasi „zaubernde“ Menschen, die heilten und verfluchten oder Pflanzen und Gegenstände verwendeten, um deren Kräfte für sich zu nutzen. Doch wie konnte es am Beginn der Neuzeit zu jenen Hexenverfolgungen kommen, die fälschlicherweise meist Phänomen des  finsteren Mittelalters gedeutet werden? Welche Rolle spielte der Glaube an Zauberei und Magie im Alltag? Und aufgrund von welchen Vorkommnissen wurde jemand angeklagt? Diesen Fragestellungen geht die Ausstellung „Ver-hext“ im Museum Innviertler Volkskundehaus nach.


„Du Hexe!“ Was heute nach harmloser Beleidigung klingt, reichte einst um Frauen, Männer, aber auch Kinder zu verfolgen und am Scheiterhaufen zu verbrennen.

 

Die Hexenverfolgungen gehören zu einem der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte der beginnenden Neuzeit. Was waren die Gründe? Die Welt befand sich durch die Entdeckung neuer Kontinente oder auch durch die folgenschwere Glaubensspaltung unter Martin Luther völlig im Umbruch. Sie war zudem voller unerforschter Phänomene: Naturereignisse und Wetterkapriolen ließen sich nicht anders als durch Magie oder Gottes Wirken erklären. Man glaubte an magische Fähigkeiten und geheimes Wissen. Unheilbringende, aber auch heilende Zauberkräfte wurden den Hexen zugeschrieben, die Schutz- und Schadenszauber gleichermaßen erwirken konnten. Als Wahrsagerin, Giftmischerin bzw. Frau mit dem bösen Blick oder Schadenszauberin (Malefica) wurden sie für Unglück und Krankheiten, die Klimaverschlechterung und Hungerkatastrophen verantwortlich gemacht. Man beschuldigte sie mit Dämonen oder dem Teufel im Bunde zu sein und dadurch Zauber erwirken zu können. Bald wurden sie zum Sündenbock für alles, was der noch immer männlich dominierten Welt als gefährlich erschien. 

 

Nach dem Vorbild der Ketzerverfolgung setzte die eigentliche Hexenverfolgung 1484 mit der „Hexenbulle“ von Papst Innozenz VIII. ein. Damit bestätigte er offiziell die Existenz der Hexerei und machte alle zu Ketzern, die nicht daran glaubten. Nicht nur der Papst berief sich dabei auf die Bibel: In seiner bahnbrechenden deutschen Bibelübersetzung hat Luther die alttestamentarische Passage in 2. Mose 22,17 mit „Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen“ übersetzt und damit die Frau in den Fokus der Verfolgung gerückt. Dies wird auch in einer Hexenpredigt deutlich, die Luther am 6. Mai 1526 zu dieser Stelle hielt. 

 

Angeheizt wurde die Hexenverfolgung schließlich durch den Hexenhammer (1486) aus der Feder des Dominikanermönchs Heinrich Kramer. Erst im Zeitalter der Aufklärung ging die Verfolgung rasch zurück.

 

Unter Maria Theresia, deren 300. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird, stand Zauberei theoretisch noch unter Strafe. 1766 ordnete sie jedoch an, dass in den österreichischen Erblanden kein Prozess wegen Hexerei oder Zauberei mehr angestrebt werden darf. Für die Regentin war Hexerei vor allem Betrug. Vor der Entwicklung der Kriminalistik spielte das „peinliche Verhör“ zur „Wahrheitsfindung“ eine maßgebliche Rolle. Für eine geregelte Folteranwendung erließ Maria Theresia noch im Jahr 1768 die „Constitutio Criminalis Theresiana“ – eine Anleitung zur richtigen Verwendung der Folterwerkzeuge. Dieses anschauliche Dokument befindet sich auch im Stadtarchiv Ried und wird in der Ausstellung gezeigt.

 

Dass unsere Region vor dem Hexenwahn nicht verschont blieb, zeigen u. a. Klagen wegen Zauberei in Mattighofen, Milchzauber in Wolfsegg, Geisterbeschwörung in Vöcklabruck und Wettermachen in Braunau. Als einer der grausamsten Prozesse ging der „Hexenbubenprozess“ im Wirkungsbereich des Pfleggerichts Braunau in die Geschichte ein: Dabei wurden fünf elternlose Bettelknaben im Alter von zwölf Jahren wegen Hexerei angeklagt und vier davon hingerichtet.

 

Wird die Welt der Zauberei und Hexen heute klar in den Bereich der Fiktion eingeordnet, so war Magie lange Zeit ein fester Bestandteil des Alltags unserer Vorfahren. Man schrieb vielen Materialien geheimnisvolle Eigenschaften zu, die man zu nutzen versuchte. Magische Amulette und Abwehrzauber gehörten bis ins 19. Jahrhundert zur alltäglichen Realität.

 

Was Mythos und was Wirklichkeit ist – dieser Frage geht die Ausstellung „Ver-hext“, die unter dem Titel „Secret Witches“ in Japan 2015/16 große Erfolge feierte, ab 24. März im Museum Innviertler Volkskundehaus in Ried im Innkreis nach.




Museum Innviertler Volkskundehaus

Kirchenplatz 13

4910 Ried im Innkreis

tel.: +43 (0) 7752 901 - 301 od. 302

Mail: kultur@ried.gv.at

 

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr

Samstag 14 bis 17 Uhr

 

Führungen für Gruppen sind nach Vereinbarung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.

 

Zu dieser Ausstellung wird ein Vermittlungsprogramm für Schulen angeboten.

Anmeldung: kultur@ried.gv.at, Tel. 07752/901301 / Vermittlungsgebühr: EUR 2,40 pro Person

 

 

 

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